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… oder was Musik zu Musik macht

Da spielst du wieder eine musikalische Phrase, eigentlich doch genau so, wie im YouTube Video oder wie es auf irgendwelchen Tabs steht, aber… es tönt einfach nicht gut! Brauchst du einen neuen Verstärker oder eine neue Gitarre? Oder reichen vielleicht auch einfach bessere Saiten, am besten die vergoldeten?

In einem Buch, das dir beibringen sollte zu grooven, siehst du diesen Super-Gut klingenden Groove – zumindest auf der Beispielaufnahme – aber wenn du es spielst, trennen die Resultate WELTEN! Und das Beste: In diesem Buch verliert der Autor KEIN Wort darüber, warum das so sein könnte – gibt auch keine Ratschläge dazu. Es ist nicht klar, ob der gitarristisch sehr begabte Autor des Buches einfach gar nicht weiss was er da tut, sondern es einfach tut – oder ob er sich der komplexen Aufgabe über PHRASIERUNG zu sprechen lieber entzieht, weil er sonst eine zweite Seite über diesen Groove schreiben müsste – und, mal ganz ehrlich: Das ist ja auch nicht so attraktiv, so was zu lesen… lieber hätten wir doch dieses Video auf YouTube, dass uns endlich hilft „es“ so zu tun, wie es sein sollte.

Phrasierung in Sprache und Musik

Stell dir vor, du würdest einen Satz (also einen sprachlichen Satz, so wie diesen) völlig monoton, gleichmässig, alle Wörter gleich laut lesen, möglicherweise sogar so, dass man die einzelnen Silben in einem gleichmässigen Rhythmus hört – und Satzzeichen, wendest du aus Prinzip nicht an. Was wäre dann? Es wäre ziemlich langweilig für die Zuhörer – und niemand würde das gerne hören.

Ähnlich ist es in der Musik, mit einem Unterschied: Die Absenz der Phrasierung in der Sprache macht die in Wörter gefasste Aussage nicht unverständlich, sondern aufgrund der Wörter, ist die Aussage noch immer verständlich.

Im Umkehrschluss ist es in der Musik also FATAL, wenn die Phrasierung absent ist, denn hinter einer von mir auf der Gitarre gespielten Note, gibt es kein verständliches Wort, sondern eben nur diesen Ton – ein Ton, der in sich selbst nicht viel Sinn trägt, als eine Tonhöhe zu haben.

Was ist das also dieses musikalische Wundermittel, ohne das die Musik ihre „Magie“ verliert? Eigentlich alles andere als die Töne, sondern viel mehr wie diese Töne im Verhältnis zueinander gespielt werden.

Verhältnis? Im Verhältnis zu ihrer Tonlänge, Lautstärke, wie sie erzeugt werden – und ich würde auch die Pausengestaltung und die Rhythmik dazuzählen. Bei der Erzeugung von Tönen haben wir mit beiden Händen verschiedenste Möglichkeiten Einfluss zu nehmen oder Töne zu modulieren, hier ein Auszug davon:

  • Slide ich in den Ton?
    • Wie slide ich zeitlich?
    • Schlage ich vor dem Slide die Saite nochmals an?
    • Wenn ich abwärts slide: Wie lange halte ich den Ton vor dem Slide?
  • Erzeuge ich den Ton durch einen Hammer-On / Pull-Off?
  • Beide (Streiche) ich die Saite auf die richtige Tonhöhe?
  • Moduliere ich ein Vibrato auf den Ton?
    • Wie führe ich das Vibrato technisch aus?
    • Wann beginnt das Vibrato?
    • Wie viel Auslenkung gebe ich dem Vibrato?
    • Wie schnell ist das Vibrato?
  • Wie beeinflusse ich den Ton durch den Anschlag?
    • In welchem Winkel schlage ich die Note an?
    • Wie schnell schlage ich an?
    • In welchem Winkel halte ich das Plektrum (falls verwendet)?
    • Wie viel harmonische Oberwellen mische ich mit dem Anschlag bei?
  • Dämpfe ich die Töne?
    • Wie fest dämpfe ich sie?
    • Mit welcher Technik?

Wenn wir hier jede Möglichkeit aufzählen, wird es immer komplexer und unüberschaubarer – fast verwirrend, manchmal so sehr, dass man lieber die Finger davon lässt. Allerdings sind dies Dinge, die ein Gitarrenlehrer im Gitarrenunterricht mit dir anschaut: Oft spielst eine Schülerin eine Phrase und wir diskutieren, wie sie wirkt, ob die so gespielten Töne bezüglich ihrer Phrasierung Sinn machen – und natürlich ist es wichtig, dass die Schülerin nach und nach lernt, diese Techniken aus dem „FF“ anzuwenden, denn schlussendlich sollen diese Techniken mehr intuitiv eingesetzt werden, und nicht nach einer Liste, so wie sie in diesem Post vorkommt.

Eine unglaubliche Erkenntnis hatte ich eines Tages, als ich erkannte, dass die verwendeten Töne in einer Phrase eigentlich unwichtiger sind, als ihre Phrasierung. Drei simple Töne mit einer interessanten Phrasierung gespielt, wiegen locker mal den Wert von einer unglaublichen Anzahl roboterhaft gespielter Töne bei weitem auf.

Experimentiere mit einfachen Phrasen, lerne mit deinem Gitarrenlehrer im Gitarrenunterricht mehr über Phrasierung oder besuche meinen Onlinekurs, der anhand einer einfachen Linie zeigt, wie man diese schrittweise interessanter und ausdrucksstärker spielen kann: https://gitarrenunterricht.ch/musik-online-lernen/