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Musiktheorie gliedert sich in verschiedene Bereiche. Ein sehr grosser und umfassender Bereich ist die Harmonielehre.

Ist es sinnvoll, sich mit Musiktheorie zu beschäftigen oder nicht? Ist es nur etwas für Theoretiker oder gar Wissenschaftler?

Für mich persönlich hatte die Musiktheorie verschiedenste Nutzen:

  • Ich konnte Musik, die von anderen geschrieben wurde verstehen
  • Ich konnte meine Fähigkeiten im Bereich der Komposition massiv verbessern
  • Ich fing an, nicht einfach Akkorde zu spielen, sondern verstand, wie diese in Familien gegliedert sind und inwiefern Akkordfolgen immer wieder gleich sind, obwohl man ihnen das ohne Theorie gar nicht direkt ansehen konnte. Musik wurde einfacher!
  • Mein Solospiel konnte ich massiv verbessern – durch die direkte Anwendung der Theorie beim Spiel
  • Ich konnte Musik viel besser (auswendig) lernen, weil ich ja nicht mehr ausschliesslich die Töne/Noten lernen musste, sondern viel mehr die Logik dieser Noten

Gerade auch technikbegeisterte Spieler, sollten die erlernte Technik (z.B. Two-Hand-Tapping) unbedingt mit Musiktheorie in Verbindung bringen. Dies ist eine echte Chance sich vom allg. „Rumgedudel“ der anderen abzuheben.

Die obige Aufzählung ist sicherlich nicht abschliessend, zeigt aber klar, dass die Theorie in der Praxis grosse Verwendung findet.
Es ist übrigens so, dass praktisch alle wirklich guten Musiker spezifische Kenntnisse der Musiktheorie haben – oder gar exzellent in Musiktheorie sind!

Einem „blutigen“ Anfänger würde ich Musiktheorie nicht sofort empfehlen. Der Anfänger ist noch zu fest mit handwerklichen Themen beschäftigt.

Die Ausnahme bilden Anfänger, die schon von selbst ein klares Interesse an Musiktheorie haben, weil sie z.B.komponieren möchten (oder schon eigene kleine Kompositionen entwickelt haben) – oder einfach einen anderen (zusätzlichen) Zugang ins Musikuniversum suchen. Bei den übrigen kommt das Interesse meist von selbst, weil sie sehen, dass einige „Dinge“ sonst einfach „Magie“ sind und bleiben und diese „Dinge“ dann nur sehr schwer ins eigene Repertoire eingebaut werden können.

Erwähnenswert scheint mir auch, dass sich meine Sicht auf die Musiktheorie mit der Zeit veränderte:

Am Anfang war es Theorie. Mehr oder weniger abgetrennt von der Praxis. Heute sind beide Bereiche für mich eng verbunden, ja – fliessen sogar recht stark ineinander über.

Untenstehend eine kleine Einteilungsmöglichkeit des Verständnisses der Theorie. Zu bemerken ist, dass sehr viele bei der ersten oder zweiten Stufe hängenbleiben. Diese Menschen entwickeln dann nie einen natürlichen Zugang bzw. Umgang zur Theorie oder kommen gar zum Schluss, dass Musiktheorie ihnen nur im Weg stehe.
In der Tat wird’s erst bei Stufe 3 und 4 so richtig interessant.

1 Theoriestufe Das Verstehen
2 Theoriestufe Das praktische Anwenden der Theorie
3 Theoriestufe Das Verinnerlichen der Theorie
4 Theoriestufe Die gefühlsmässige Verbindung

Die 4 Stufe bedarf noch einer etwas genaueren, praktischeren Erkäuterung:

Ich kann eine Tonleiter als eine Abfolge einer Anzahl von definierten Intervallen (=Tonabstände) definieren. Boah – nett, oder? Das ist jetzt genau der sehr theoretische Ansatz – klar sollte auch verstanden werden aber…

… eine Tonleiter entspricht auch einem Gefühl. So ist es bei mir unterdessen so, dass ich mich „lydisch“ fühlen kann. Lydisch ist eine Tonleiter und ich habe diese Tonleiter mit einem Gefühl verbunden. Das heisst, dass mich mein Gefühlsleben während dem musizieren/komponieren dazu bringen kann, dass ich lydisch spiele, bzw. einen entsprechenden Akkord wähle.

Schlussendlich ist Musik für mich eine Gefühlskommunikation und mir persönlich hilft es sehr, diese Gefühle umzusetzen, wenn diese einen Namen haben. Dabei muss es ja nicht so sein, dass man krampfhaft versucht eine Tonleiter einem Gefühl zuzuordnen, sondern man hört „es“ einfach – ohne Anstrengung.
Wenn meine Schüler eine kleine Bsp.-Komposition schreiben (ja, das können eigentlich auch Anfänger) und mich fragen wie es weiter gehn‘ sollte, versuche ich einfach zuzuhören und lausche in mich rein, versuche das, was ich in mir höre (oft sind es auch mehr Gefühle) umzusetzen.

Essenz: Theorie ist tatsächlich nur am Anfang trocken (Handwerk erlernen) und wer das Gegenteil behauptet, der ist wahrscheinlich kaum über Stufe 1 oder 2 herausgekommen – ist somit auch nur vermindert fähig die Musiktheorie zu beurteilen. In meinem Gitarrenunterricht schaue wir uns an, wie viel und welcher Teil der Musiktheorie für eine spezielle Schülerin richtig wäre. Dabei schaue ich als Gitarrenlehrer auch darauf, wieviel Zeit die Schülerin zur Verfügung hat – und wie langfristig ihre Ziele angegangen werden sollen. Wie umfassend ist die Schülerin an Musik interessiert? Braucht sie mehr, als sie sich das vorstellen kann – und wie mache ich ihr das Verständlich?

Viel Spass beim geniessen der Theorie!‘