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Einführung

MO-TI-VA-TION dieses Wort hat für mich etwas Magisches!

Es beschreibt die Kraft die uns Menschen dazu antreibt manchmal unglaubliche Dinge zu unternehmen oder zu schaffen. Wenn sie uns fehlt, haben wir jedoch ein gröberes Problem!

Wenn ich eine schwierige Aufgabe mit Leidenschaft verfolge und erledige, fühle ich dabei Erfüllung und ich ermüde zum Beispiel viel weniger schnell – die Arbeit fällt mir leicht und macht Spass! Wenn ich in der gleichen Tätigkeit keinen Sinn sehe, fühle ich mich dabei auch schlecht – ich muss mich dazu zwingen und alles fällt mir sehr schwer.

Im Privaten werde ich diese Tätigkeit versuchen zu vermeiden, wenn ich es trotzdem tun muss, dann kann ich meine inneren Widerstände gut spüren.

Motivation im Gitarrenunterricht

Als Lehrer kann ich versuchen den Schülern meine Faszination für musikalische Themen zu vermitteln, das kann ansteckend wirken, jedoch: Der Hauptmotivationsanteil kommt vom Schüler selbst!

Grundsätzlich kann man sagen: Jeder Schüler, welcher mit Gitarrenunterricht beginnt ist in diesem Moment motiviert, denn ansonsten würde er gar nicht beginnen! Es braucht eine initiale Eigenmotivation, damit sich eine Schülerin erst mal zu diesem Schritt hingezogen fühlt! Der Anfang der Motivation ist somit also schon gemacht. 🙂

Ein nicht so toll motivierter Schüler kann ich in der Lektion wohl motivieren – jedoch ist das nicht sehr langanhaltend. Schon wenn sich der Schüler am nächsten Tag an die Gitarre setzen sollte, ist die Motivationsspritze des Lehrers schon weg – dann ist der Schüler wieder alleine.

Es gibt ein paar psychologische Tricks, welche man versuchen kann. Diese können einem Teil der Menschen helfen sich für oder gegen das üben am heutigen Tag zu entscheiden. Diese bewusste Entscheidungsfindung spiegelt sich dann oft in einem häufigeren üben. Wenn du dazu mehr wissen möchtest, frage einfach deinen Gitarrenlehrer – er wird versuchen mit dir etwas für dich passendes zu finden.

Einige Menschen brauchen sogar etwas Druck, um sich dorthin zu bewegen wo sie eigentlich hin wollen. Im privaten Gitarrenunterricht gibt’s keine Noten und kein Durchfallen, insofern fallen diese Möglichkeiten natürlich weg – zum Glück auch!

Was ich allerdings schon gemacht habe ist dem Schüler im Unterricht etwa folgendes mitzuteilen: „Lieber Schüler, ich schätze dich als Mensch und Schüler sehr und möchte dich auch möglichst lange unterrichten. In den letzen Monaten hast du aber eigentlich zu wenig geübt und ich habe verstanden, dass du dich damit nicht wohl fühlst und mehr machen möchtest. Du musst wissen, dass dieser Zustand dazu führen kann, dass du dir irgendwann sagst, dass du den Unterricht nicht mehr besuchen willst, weil er doch nicht so ganz günstig ist wenn du nicht übst. Aus diesem Grund sollten wir alles tun, um zu vermeiden, dass du den Unterricht verlässt.“

Aus Sicht des Lehrers ist es ganz wichtig im Sinne des Schülers zu handeln: Die obige Aussage kann natürlich zu einem schnelleren Verlassen des Unterrichts führen. Für den Lehrer bedeutet dies einen Schüler weniger. Aber der Lehrer sollte in erster Linie die Interessen und Ziele seiner Schüler verfolgen. Seine eigenen Interessen kann er z.B. mit klar definierten Absenzregeln etc. vertreten, aber nicht im Unterricht indem er versucht Schüler länger im Unterricht zu halten.

Dabei sage ich dem Schüler auch, dass ich sie/ihn nicht rauswerfe, denn so lange es für den Schüler stimmt, ist’s für mich auch ok. Wenn ich aber spüre, dass es für den Schüler nicht stimmt, dann müssen wir handeln und zumindest versuchen die Situation so zu verbessern, sodass sich der Schüler damit wohl fühlt. Es ist ja auch so, dass Gitarrenunterricht eine Art Kontrast zum sonstigen Leben bildet. Viele Schüler geniessen es einfach, können sich dabei sogar entspannen. Ich habe schon erlebt, dass Schüler mit Kopfschmerzen in den Unterricht kamen und diesen ohne wieder verliessen. Für diese Menschen hat der Gitarrenunterricht also auch noch eine andere Bedeutung / einen anderen Wert, als die blosse Vermittlung von Wissen, welches sie schlussendlich die Gitarre spielen lässt – aber das kommt sehr auf den Schüler an.

Apropos rauswerfen: Tatsächlich hab‘ ich mit wenigen Schülern (unter gegenseitigem Einvernehmen) schon vereinbart, dass ich sie rauswerfen muss, wenn sie nicht gewisse Mindestziele erreichen. Aber das war die Notbremse und diese Schüler wollten das. Es hat funktioniert, nur ist es schon nicht-ganz-so-optimal, wenn man miteinander auf dieser Ebene umgehen muss – ist nicht so meine Sache – aber wenn’s für den Schüler stimmt, dann ist’s einen Versuch wert.

Die Welt ausserhalb des Gitarrenunterrichts

Die Welt ausserhalb des Gitarrenunterrichts kann ebenfalls grossen Einfluss auf den Motivationslevel im Gitarrenunterricht bzw. Zuhause beim üben haben:

Wenn ich beruflich überlastet bin, viele Überstunden machen muss – und am Abend erst ziemlich spät Nachhause komme, dann bleibt oft nicht mehr viel Zeit und Energie übrig für anderes. Und unter „anderes“ läuft eben auch der „Gitarrenunterricht“ bzw. das Üben.

Nun, wenn dieser „Belastungspeak“ eben wirklich nur eine Belastungsspitze ist, dann würde ich sagen, dass der Unterricht darunter ohne Gefahr schon etwas leiden darf, denn schliesslich wird das Geld mit dem man den Gitarrenlehrer bezahlt ja auch mit eben dieser Arbeit erschaffen. Allerdings muss man diese Entscheidung bewusst treffen und sich nicht jede Woche darüber aufregen, dass man zu wenig geübt hat.

Wenn es sich jedoch abzeichnet, dass das Gitarrenspiel dauerhaft unter einer zu hohen Arbeitsbelastung leidet, dann sollten alternative Wege gefunden werden, denn der Schüler möchte eigentlich mehr für sein Gitarrenspiel tun, kann dies aber momentan nicht, womit sein Frustrationspegel ansteigt. Diese Frustration wird mit der Zeit noch mehr verstärkt.

In einer solchen Situation ist es wichtig seinem Lehrer mitzuteilen wie sie Situation aussieht. Dies nimmt vom Schüler oft etwas Druck weg „im Gitarrenunterricht“ etwas leisten zu müssen. Müssen ist sowieso das falsche Wort, für mich ist es mehr ein dürfen.

Wenn die Arbeitsbelastung eines Schülers langfristig zunimmt, ist es in vielen Fällen sinnvoll darüber nachzudenken, ob man den Unterricht von wöchentlich auf 14-täglich reduzieren sollte. Damit hält man sich die Sache „Gitarre spielen lernen“ einerseits warm, reduziert den Druck welchen man sich selbst auferlegt und reduziert auch die Kosten auf etwa die Hälfte.

Sollte die Arbeitsbelastung sich wieder normalisieren, kann man darauf einfach wieder auf wöchentlichen Unterricht umsteigen. Falls man den Unterricht unterbricht und auf den „richtigen Moment“ wartet, kann es sein, dass sich dieser nie ergibt – und man dieses Hobby nie mehr so richtig aufnimmt. Sehr schade, meiner Meinung nach.

Abschlusskommentar

Ich habe versucht auf das Thema „Motivation“ auf etwas praktische Weise einzugehen. Bewusst verzichtete ich auf eine Abhandlung, wie Motivation im Studium und in Büchern behandelt wird – für eine etwas strukturiertere Übersicht kannst du ja auch mal kurz bei Wikipedia reinschauen: Motivation-Wikipedia-Link

Der Artikel soll aber auch Anregungen bieten, sich wenn Bedarf besteht, auch mal mit seinem Gitarrenlehrer darüber zu unterhalten, oft kann er dir einiges mitgeben, wenn es darum geht deine Übungspraxis zu verbessern. 😉

Erstpublikation: 2013.08.29