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Einführung

(Überarbeitet am: 04.07.2013 )

Kursantwort: Nein, dies ist auf der Gitarre in der Regel nicht nötig, ausser du möchtest klass. oder Jazzmusik spielen. Hast du kompositorische Ziele, solltest du ebenfalls in der Lage zu sein Musiknotationen zu lesen und zu schreiben. Bist du tiefer an Theorie interessiert, empfehle ich auch Noten lesen/schreiben zu können. Möchtest du (langfristig) in den Profibereich einsteigen, ist es auch sehr wichtig sehr „fliessend“ mit Noten umgehen zu können, sonst wirst du dich und andere behindern bzw. nerven. 🙂

Häufig werde ich von Anfängern gefragt, ob sie Gitarre spielen lernen könnten, auch wenn sie keine Noten lesen können, bzw. sie haben schon schlechte Erfahrungen mit Noten gemacht und möchten diese schlechten Erfahrungen nicht wiederholen.

Notensystem und Alternativen

Der Vorteil am Notensystem wie wir es kennen ist, dass es sich dabei eine auf andere Instrumente übertragbare Universalnotation handelt. Ich lasse der Einfachheit zuliebe jetzt den Teil über „transponierende Instrumente“ absichtlich weg.

Der Nachteil ist, dass z.B. auf der Gitarre die Note im obersten Zwischenraum (im Violinschlüssel), also die Note „e“ auf der Gitarre bis zu sechs Mal (bei E-Gitarren mit 24+ Bünden) an jeweils verschiedenen Orten auf dem Instrument vorkommt.

Das heisst, dass die reine Notation ohne weitere Hilfsmittel (Fingersatzangaben) uns noch nicht absolut sagt, wo wir denn auf dem Instrument diese Note spielen müssen.

Dies macht es z.B. für Gitarristen relativ schwierig Noten zu lesen. Dazu kommt auch, wie die Noten auf dem Instrument physisch angeordnet sind: Auf dem Klavier kommt jede Note nur einmal vor, und auch noch ganz schön in aufsteigender Reihenfolge. Ganz anders wieder auf der Gitarre, hier steigen die Töne zwar auch auf jeder Saite chromatisch ( = in Halbtonschritten ) auf, jedoch kommt bei uns noch die zweite Dimension dazu: Der Saitenwechsel!

Ein Saitenwechsel bedeutet im Prinzip das Gleiche wie eine Aufwärtsbewegung um 5 Halbtonschritte auf einer Saite. Netterweise stimmt das auch nicht überall, denn zwischen der g und b Saite sind es nur 4 Halbtonschritte.

Hast du jetzt nicht alles verstehen können? Genau! Macht nichts! Darum gibt es ja ein wunderbares alternatives System: Das Tabulatursystem!

Bei diesem System haben wir nicht 5 Notenlinen, sondern 6. Jede dieser Notenlinie stellt eine Saite dar und auf diesen Notenlinen sprich Saiten schreiben wir Zahlen. Diese Zahlen sagen uns, in welchem Bund wir auf die Saite drücken müssen. Das ist (nach einer Weile der Gewöhnung) doch sehr viel angenehmer.

Tabulatur im Unterricht

Also kann ich ganz deutlich Entwarnung geben: Es ist am Anfang gar nicht nötig, Noten lesen zu können – ich persönlich erachte es, bis auf wenige Einzelfälle, sogar als völlig unnötig, Anfänger mit dem Notenlesen zu konfrontieren und ihnen so im schlimmsten Fall den Spass an der Musik zu nehmen. Die Tabulaturnotation ist ein sehr gutes Alternativsystem, welches viel intuitiver anzuwenden ist.

Wichtiger ist es jedoch, Rhythmen lesen zu können, denn auch diese kommen im Tabulatursystem vor. Jedoch muss dies relativiert werden, denn Anfängerinnen spielen (noch) keine sehr komplexen Rhythmen. Somit lässt sich das Erlernen von einfachen Grundthythmen relativ leicht und in kurzer Zeit realisieren.

Der Nachteil der Tabulatur liegt jedoch darin, dass die Tabulatur nicht wirklich musikalisch spricht. Man sieht Akkordstrukturen und musikalisch Bewegungen nicht wirklich gut – schliesslich ist die Tabulatur eine Art physikalische Umsetzung von Musik auf ein spezifisches Instrument. Theoretische Zusammenhänge sind in einer Tabulatur schlecht ersichtlich.

Andere Meinungen

Musiklehrer mit Ausbildung in klassischer Musik haben manchmal die Tendenz Notenschrift als das Non-Plus-Utra zu sehen. Dies hat wohl damit zu tun, dass es in der klassischen Musik darum geht „geschriebene, klassische Musik auf dem Instrument“ umzusetzen bzw. zu interpretieren. Also Noten zu lesen! Ich verstehe diese Sichtweise, jedoch teilen die meisten ihrer Schüler eigentlich dieses Ziel nicht. Historisch ist die Notation jedoch so, dass man in der klassischen Musik Noten lesen können muss, das ist korrekt und auch zu empfehlen.

Auch wenn jemand Jazzmusik spielen möchte, empfehle ich Noten lesen zu lernen, denn dort spielt das Verständniss eine Rolle, welches bei der herkömmlichen Notation viel besser ist, als bei Tabulatur – ausserdem ist die Literatur auch auf das herkömmliche Notensystem ausgerichtet.

Jedoch habe ich letzhin einen Bericht eines deutschen Gitarrenlehrers gelesen, welcher für das Notenlesen seine Hand ins Feuer gelegt hat, nebenbei erwähnt er auch, dass er vor allem Kinder unterrichtet, in letzter Zeit auch einige Erwachsene. Ich bin ja sonst ein Lieber (oder denke das von mir wenigstens 😉 ), aber wisst ihr, was ich mir dachte? „Ja ja, mit denen kannst das machen!“ Und alle die das nicht „überleben“ sind dann halt‘ „nicht so talentiert“ oder nehmen viele Jahre später nochmals einen Anlauf, in der Hoffnung, dass sie nicht Noten lesen müssen. 🙂

Vergleich

Untenstehend ein praktischer Verglich der Standart-Notation mit 5 Notenlinen und der Tab-Notation mit 6 Notenlinien (=Saiten) und Bundangabe. Die dargestellte Musik ist dieselbe.

Standardnotation:

Standardnotation

Tabulaturnotation:

Tabulaturnotation für Gitarre

Erstpublikation: 2013.07.05