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Einführung

Schulmusik ist doch einfach etwas Tolles! Da können Schüler ihr natürliches Interesse an Musik ausleben und anfangen ein oder mehrere Instrumente zu erforschen. Sie können spielerisch entdecken und sich im musischen Bereich entwickeln – alles wunderbar!
Wirklich? Schreib‘ mir doch deine Erfahrungen mit Schulmusikunterricht!

 

Die Realität

In Wirklichkeit könnte es so sein wie oben beschrieben, leider ist das Bild, welches ich oben gezeichnet habe, oft zu idealistisch – manchmal sogar Wunschdenken:
Viele Schüler kommen zu mir und haben gerade in der Schulmusik eher schlechte Erfahrungen gemacht. Dort wurde einigen sogar vermittelt, dass sie untalentiert seinen. Trotzdem kommen einige viele Jahre später zu mir in den Unterricht – fast schon etwas ängstlich oder skeptisch – und haben vor allem Angst vor dem Notenlesen und vielleicht auch etwas vor dem möglicherweise „gestrengen“ Musiklehrer. ( Dabei braucht man als normaler Hobbygitarrist meist nur sehr eingeschränkte Fähigkeiten die Noten ab Notensystem zu lesen, weil es da bessere – sprich einfachere Wege gibt / und streng sollte der Lehrer im Einzelunterricht sowieso nicht sein, eher entspannt, denn Entspannung passt viel besser zur Musik als „Verspannung“).
Leider scheint es so, dass die Schulmusikpädagogen oft eine Fähigkeit besonders ausgeprägt besitzen: Sie können an Musik durchaus interessierten Menschen das Interesse am aktiven Musizieren nehmen! D.h. die innere Motivation wird erstickt.
In den Schulen wird z.B. der Quintenzirkel auswendig gelernt und wenn die Menschen später zu mir in den Unterricht kommen, können sie damit trotzdem nicht viel anfangen – und erstaunen sich dann aber, was man am Quintenzirkel alles ablesen kann. Aber viele Lehrer beschränken sich lieber auf das viel einfacher zu prüfende Auswendiglernen. Auch werden manchmal irgendwelche Formen klassischer Musikstücke gelernt, obwohl die meisten sich dafür gar nicht interessieren und auch keine praktische Anwendung dafür haben – aber immerhin hat der Lehrer etwas, das er dann in DER Prüfung abfragen kann. So genau funktioniert Lernen jedoch nicht, wie uns auch die modernen Neurowissenschaften bestätigt haben.

 

Gedanken

Die meisten Menschen, welche Schulmusik geniessen oder eben dazu gezwungen werden, planen nicht, einmal prof. Musiker zu werden oder die Musik zum Lebenserwerb zu machen. Für diese Menschen soll Musik vor allem Freude und Spass bringen, vielleicht werden sie sich beim Musizieren sogar von einem anstrengenden Arbeitstag erholen – Musik ist zuerst einmal etwas für die Sinne – und das sowohl wenn wir sie nur hören aber natürlich auch (oder gerade) wenn wir Musik aktiv machen. Je nach Anspruch kann man dabei mehr oder weniger in die theoretischen Zusammenhänge eintauchen (ein bisschen Theorie braucht’s schon), je fortgeschrittener der Schüler wird, desto mehr wird er i.d.R. auch das Bedürfnis für ein tieferes theoretisches Verständnis der Musik entwickeln. Für den Interessierten tut sich hier ein unglaublich grosses, interessantes und vielschichtig – zusammenhängendes Gebiet auf.
Wenn ein junger Schüler sich als besonders interessiert und begabt zeigt, ist eine besondere Förderung möglich – aber man sollte als Schulmusiklehrer nicht die Erwartung haben, dass man aus jedem einen Mozart macht und nicht jeden auf diese Möglichkeit vorbereiten. Denn wird die Messlatte zu hoch angesetzt, folgt Frustration  – und ein Fach wie „Musik“ ist nunmal nicht das schulisch wichtigste Fach – also wird es als Reaktion der überforderten Schüler vernachlässigt.
Instrumente üben auf Kinder eine natürliche Faszination aus – das Wichtigste für uns Musiklehrer ist es, diese natürliche Faszination nicht einfach „abzuwürgen“ – weil wir den Kindern unbedingt unser Bild der Musik aufzwingen wollen. Lassen wir den Kindern in diesem Fach auch gewisse Freiheiten, gerade weil dies in anderen Fächern eben schwieriger möglich ist.

Erstpublikation: 2013.07.04